Coach Ollert vor Pokalduell gegen Murnau: Ungewohnt leise Töne aus Penzberg

FC-Coach Ollert weist Favoritenrolle zurück

Foto: Rabuser; Text: Mayr

Es ist das erste von zwei Duellen binnen vier Tagen: Zunächst messen sich der FC Penzberg und der TSV Murnau im Pokal, dann folgt das Wiedersehen in der Bezirksliga.

Penzberg – Simon Ollert ist nicht nur Trainer, sondern auch ein Student der Fußballhistorie. Als solcher erinnert er sich gerne an den Mai 2009 und die legendären Derbywochen im Norden, als Werder Bremen und der Hamburger SV in 19 Tagen viermal aufeinandertrafen, in Bundesliga, DFB- und Europapokal. So extrem ist es im Fall von Ollert und seinem Team nicht.

„Ich find’s geil. Das hat ein bisserl was von Bundesliga.“

Penzbergs Trainer Simon Ollert

Immerhin tritt sein 1. FC Penzberg zweimal in vier Tagen daheim gegen den TSV Murnau an. „Ich find’s geil. Das hat ein bisserl was von Bundesliga. Ich bin Fußballer pur“, sagt Ollert. Die Ouvertüre spielen beide Bezirksligisten an diesem Mittwoch (19 Uhr) im Pokal. Auf dem Programm steht das Finale der Spielgruppe Mitte im Kreis Zugspitze.

Ollert hievt Murnau in die Favoritenrolle

Als Trainer, sagen Leute, die sich auskennen, hat sich Ollert ein breites taktisches Repertoire angeeignet. Auf jeden Fall hat er auch die mentalen Spielchen drauf. Auf das Schild des Favoriten hievt der 25-jährige Bad Kohlgruber „ganz klar Murnau“, wie er betont. „Mit einer Riesen-Portion Demut“ werde seine Mannschaft das Derby-Double angehen. Es sind ungewohnt leise Töne aus Penzberg, das früher gerne seine eigenen Ansprüche via Verstärker in die Öffentlichkeit hinausdröhnte. Diese Zeiten sind längst Geschichte. „Wir sind im Umbruch“, schiebt Simon Ollert hinterher.

Ollerts Projekt in Penzberg ist auf mehrere Jahre angelegt

Bei all der Sehnsucht, oben mitzumischen, ist sein Projekt beim FCP auf mehrere Jahre ausgelegt. Nach eher holprigem Start in der Liga läuft es bei seinem Team derzeit wie geschmiert: Vergangenes Wochenende kehrte es mit einem 7:2-Erfolg aus Neuhadern zurück, zuvor hatten die Penzberger den BCF Wolfratshausen mit 5:0 abgefertigt.

Ollerts Überzeugung: Murnau will um den Aufstieg mitspielen

Beim Gegner vernimmt er einen Anspruch, zumindest aber einen frommen Wunsch, auch in der Bezirksliga um den Aufstieg zu kämpfen. „Murnau will es ganz klar, auch wenn sie es nicht zugeben“, sagt Ollert. Alleine die Jugendarbeit sei Ansage genug in dieser Thematik. Als „extrem gut und wertvoll für unsere Region“ wertet er das Murnauer Nachwuchskonstrukt, das mittlerweile 500 Fußballer aller Altersstufen bis hinauf zur Landesliga umfasst.

Neumaier und Taffertshofer kamen aus Murnau, Schneeweiß ging nach Murnau

Von den Wechselwirkungen könne jeder im Oberland nur profitieren, findet Ollert. Ein Blick auf die Kader zeigt, was er meint: Beim FCP laufen mit Korbinian Neumaier im Tor sowie Gabriel Taffertshofer zwei Spieler mit Murnauer Vergangenheit auf. Zum TSV wechselte im Sommer Andreas Schneeweiß aus Penzberg.

Murnaus Trainer Teichmann verweist auf Bilanz: Penzberg hat mehr Siege

In Murnau sehen sie die Oberland-Hierarchie naturgemäß anders. Sven Teichmann, der neue Coach beim TSV, verweist auf die Bilanz der vergangenen Jahre, durch die er sich zuletzt lose geklickt hat. Grob zusammengefasst: deutlich mehr Siege für Penzberg. „Da sieht man schon, wer die Nase vorn hat.“ Doch sein Team habe jetzt Blut geleckt. Mit einem 6:1 über Berg hat sich Murnau an die Tabellenspitze dieser überaus ausgeglichenen Bezirksliga Süd katapultiert. „So lange wie möglich oben bleiben“, hat Teichmann als Devise ausgegeben.

Ollert bezeichnet Pokalspiele als „Charakterspiele“

Der Pokalwettbewerb kommt ihm wie auch Kollege Ollert sehr gelegen. Beide können Spieler aufbieten, die bisher hintendran standen. „Dass jeder einmal diesen Druck erlebt“, sagt Ollert. Viel wertvoller als Freundschaftsspiele seien die Partien im Pokal. „Charakterspiele“, sagt er dazu. Bei ihm gebe es keine Unterteilung in Stammkicker und Reservisten. „Jeder ist Stammkraft, jeder muss Leistung bringen.“ Beim FCP fehlen mit Marco Hiry, Maximilian Gerg und Mohamed Barrie drei Urlauber. Murnau beklagt einen Kreuzbandriss bei Ex-Rottenbuch-Torjäger Roman Trainer. Dennoch werden beide Klubs mit starken Aufstellungen antreten, garantieren die Coaches. Simon Ollert sagt: „Wir können uns auf eine geile Woche freuen.“

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23.8.2022, 16:30 Uhr
Andreas MayrAutor