Spielbericht der AH – Die Oldies leben noch

Die Oldies leben noch

1.Penzberg – Gmund 5:1 und 1.Penzberg – Stockdorf/Gräfelfing 5:2

 

Also sprach der damalige Nur-AH-Gelegenheitsspieler und jetzige Sportliche Leiter des FC Fotios R.: „Wir müssen jetzt alle zusammenhalten und auf die Zähne beißen, wir dürfen einfach  nicht absteigen“. Was war geschehen? Die einstmals so ruhmvolle FC-AH stand nach 9 Spieltagen bei 8 Niederlagen und einem einzigen Sieg mit 3 Punkten hoffnungslos abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Sollte es wirklich sein, dass die seit 2013 erfolgsreichste AH-Mannschaft aus den Landkreisen WM, GAP und Tölz/Wolfratshausen (Faktum!); die Mannschaft, die in den dunklen FC-Jahren in der A-Klasse der Stolz des Vereins war (parteiische Sichtweise); die Mannschaft, für die umliegende Spieler ihre Karrieren in der 1. Mannschaft immer weiter verlängert haben, weil sie sich (noch) den großen Sprung und die höheren Ansprüche dieser Edelkicker nicht zutrauen (Vermutung); sollte diese Mannschaft wirklich einfach sang- und klanglos absteigen?

Nein, so einfach nicht. Da wurden Spieler zurückgeholt, die eher an die Rente als an die Fortsetzung der Fußballkarriere dachten; da wurden morsche Beine einfach ab- und neue wieder aufgeschraubt. Und so zog man in das erste Schicksalsspiel gegen den Lieblingsgegner Gmund. Trainer-Guru Zoran zog sich zunächst einmal zurück, um bei seinem Lieblingsgetränk (keine heiße Zitrone) und – Essen (kein Salat) neue, geniale Taktiken auszubrüten. Gegen Gmund hieß dies, alles auf die Bank was schon mal höherklassig gespielt hat und möglichweise ein Tor schießen könnte. So wurde der Gegner in der 1. Halbzeit in Sicherheit gewogen, bei ausgeglichenem Spiel, hier und heute den Abstiegsdeckel auf den FC drauf machen zu können. Der tapfere Roberto, Leihgabe aus der 2. Mannschaft, war so in vorderster Front ziemlich auf sich alleine gestellt, was ihn aber überhaupt nicht schreckte und folgerichtig mit einem Alleingang auch das 1:0 erzielte. Der folgende Ausgleich der Gmunder und das 1:1 zur Halbzeit waren aber zu verkraften, denn Zoran der Große bereitete in der Pause seinen geplanten  4-fach-Wechsel vor. Der Platz verstummte für einen Moment. Der ein oder andere Zuschauer raunte ehrfürchtig von Länderspielen, die angeblich von dem ein oder anderen eingewechselten Musketier absolviert worden seien. Und es wurde geliefert. Jürgen Seifert: bumm -2:1! Roberto: bumm-3:1, Thorsten Roth: bumm – 4:1. Und zu guter Letzt ließ es sich Foti nicht nehmen für das Highlight des Spiels zu sorgen, als er den Ball – wie wahrscheinlich schon 20-mal in seiner Karriere – aus über 60 Metern über den Torhüter hinweg ins Tor schoss. Das Selbstverständnis des griechischen Ballstreichlers ist dabei so groß, dass er bereits während des Ballfluges in die ausgebreiteten Arme seines Mentors Zoran zu laufen begann. Wie dann ein Knäuel von geschätzt gut 220 Kilo wie ein Flummiball zu hüpfen vermag, entzieht sich jeder seriösen wissenschaftlichen Analyse. Schön, dass auch mal wieder einige Fans inklusive des ehrfurchtsvoll staunenden Nachwuchses da waren und selbstverständlich war auch die fränkische Glubbererfamilie vor Ort und garnierte das Ganze mit fachmännischen Kommentaren.

 

Trotz der flammenden Rede von Foti und der neu aufkeimenden Hoffnung  das Unmögliche doch noch möglich zu machen, konnten einige der Helden nach der Sommerpause doch tatsächlich der Ehefrau nicht klarmachen, dass der Nach-Sommer-Urlaub dieses Jahr wichtigeren Taten zu weichen hat. So fehlten wieder einige Spieler beim nächsten Schicksalsspiel gegen die Spitzenmannschaft von Stockdorf/Gräfelfing. Die Urlauber tauschten aber vor dem Spiel in der WhatsApp-Gruppe fröhlich Bilder von den jeweiligen Stränden aus und wünschen, wahrscheinlich mit Caipirinhas in der Hand, nur das Beste. Dafür stellte sich Jürgen trotz Meniskuseinriss zur Verfügung, um die Abwehr zu stabilisieren.

Zoran, sicher wieder seinen gesamten Urlaub grübelnd auf der Suche nach neuen taktischen Manövern, ließ sich zu diesem Spiel selbstverständlich Neues einfallen.  Nach dem Ausfall beider Kapitäne seinen Schwipp-Schwager Cousin Mladen zum Kapitän machen, was dieser mit seiner besten Saisonleistung dankte. Und er selbst ließ sich selbstlos als linkes Glied der Vierkette einteilen, um dem ehemaligen Nachwuchsspieler Sven die offensive Bahn zu servieren. Da Letzterer sich vorne nicht richtig wohlfühlt und Zoran hinten nicht so recht weiß, was zu tun ist und sowieso gerne mal vorne stehen bleibt, erfüllte diese Variante komplett seinen Zweck: Den Gegner verwirren und Svenni ein wunderbares Lauftraining zu verpassen, in dem er an die 50 Defensivsprints absolvieren musste. Das Spiel selbst zockelte eine knappe halbe Stunde recht langsam vor sich hin – auch der Gegner schien die Laufprogramme im Sommerurlaub nicht allzu ernst genommen zu haben – bis sich Thorsten ein Herz nahm, und den Ball ansatzlos aus 30 Metern unter die Latte knallte. Kein Zufall, dass Thorsten den Dosenöffner gegeben hat, denn er hat sich durch seine Schnelligkeit und Technik zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt. Danach übertraf sich die Mannschaft in Effizienz. Wo im Laufe der Saison zu viele Chancen vergeben wurden, schlug man diesmal eiskalt zu. Lichtus nutzt einen Abwehrfehler, spielt selbstlos zurück und Plänk macht sein 3. (in Worten DRITTES!) Saisontor. Konter Lichtus – 3:0. Damit ging es in die Pause.

Bevor der überraschend harmlose Gegner auf falsche Gedanken kommen könnte, jagte Thorsten direkt nach Wiederanpfiff einen Ball von halbrechts schnurgerade flach ins linke Eck. Dem Autor dieser Zeilen wurde dabei ganz feucht um die Augen, denn diese Überzeugung und Willen hatte er stets von diesem Rohdiamanten gefordert, als er noch selbst als Co-Trainer aktiv war. Aber es muss wohl Zorans einfühlsame Art sein, die Thorsten endlich zum Blühen bringt. Ein zweites Mal feucht wurde der Autor, als Berndi sich mit seinem doch eigentlich imposanten und mit Hanteln gestählten Körper durchsetzte, mit Zoran noch Doppelpass spielte und locker zum 5:1 einnetzte. „DAS IST FUßBALL“ hörte man die Fankurve skandieren. Das noch folgende zweite Gegentor hatte nur noch statistischen Wert.

Fakt ist, mit 2 Siegen und 10:3 Toren sind die FC-Gloriosen wieder voll bei der Musik und bei einem Sieg im nächsten Heimspiel am 6. Oktober gegen Wildenroth/Inning kann der Klassenerhalt zu 90% klargemacht werden. Zu diesem Spiel lädt die AH alle Fans und Neu-Fans herzlich ein. Um Schlangen an den Kassenhäuschen zu verhindern kostet dieses Jahrhundert-Match wie immer gar nichts. Pack mer’s an!

(Text: Michi Feder)

By | 2017-09-18T08:13:31+00:00 September 17th, 2017|AH, Senioren, Verein|0 Comments

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