FC setzt vorwiegend auf Einheimische. Wichtigstes Ziel: „Ein guter Haufen sein“

Bezirksligist FC Penzberg setzt vor allem auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs

Von wegen Legionärstruppe

Der FC Penzberg startet mit einer runderneuerten Mannschaft in die Bezirksliga. Dabei war es dem Klub wichtig wieder vermehrt auf einheimische Spieler zu ersetzen.

Penzberg – Martin Wagner sind natürlich die Fahrräder aufgefallen. Bei welchem größeren Verein gibt’s das schon, dass ein beträchtlicher Teil der Ersten Mannschaft ins Training radelt? Nur zwei, die nicht in der direkten Umgebung wohnen, zählt der Trainer des FC Penzberg. Er selbst, ein Habacher, fühlt sich, wie er betont, nach beinahe zwei Jahren heimisch im Haifischbecken.

Als solches hat man seinen Posten oft verschrien. Der FC, das wissen die Verantwortlichen selbst am besten, hatte in der Region lange Zeit nicht den besten Ruf, vielmehr galt er als Sammelstelle für Fußball-Legionäre. Darunter litt der Klub. Doch die Macher haben über Jahre alles für die Umpolung des Markenkerns getan. Das Ergebnis dieses Relaunches sieht – vorerst – so aus: In die Bezirksliga-Saison 2021/22 startet ein junges, ein talentiertes, ein eher unerfahrenes, aber zuvorderst ein Penzberger Team. „Es macht mich stolz, wenn wir eine einheimische Mannschaft stellen“, sagt Martin Wagner.

FC Penzberg: Zusammenhalt erstmal wichtiger als Platzierung

Natürlich existiert auch die andere Perspektive. Nicht allein der Wille zum Wandel hat dieses Projekt – Wagner: „Jugend forscht trifft’s ganz gut“ – hervorgebracht. Praktisch die gesamte Mittelachse – Torwart David Salcher, Verteidiger Benedikt Buchner und Zehner Johannes Huber – hat den Verein verlassen. Mit Michael Oberpriller tritt eine weitere verlässliche Kraft kürzer. „Das müssen wir im Kollektiv auffangen“, sagt der Trainer. Es geht auch konkreter: Penzberg justiert sich und seinen Stil in mehreren Bereichen neu. Zunächst schraubt Martin Wagner die Erwartungen an die junge Auswahl zurück. Bei der Frage nach den Favoriten dieser Spielzeit, zählt der Coach Aubing, Wolfratshausen und Oberweikertshofen, nicht aber sein eigenes Team auf. Günter Hornung, der Torwartschmied des Oberlands, hat ihn einmal über die Fünf-Spiele-Regel unterrichtet. Nach fünf Ligapartien könne man eine Klasse einschätzen. Entsprechend möchte Martin Wagner nun den ersten Monat abwarten. „Wenn wir gut starten, ist etwas möglich“, glaubt er. Andererseits gehe es ihm nicht so sehr um die Platzierung. „Ich möchte, dass wir ein guter Haufen sind.“

Diese Woche trifft sich die Mannschaft zum Go-Kart-Fahren. Es muss aber nicht immer eine eigene Veranstaltung sein, die den Teamgeist fördert. Wagner reicht es schon, wenn sich seine Fußballer nach dem Spiel zusammenhocken. Da ist es ohnehin von Vorteil, wenn man mit dem Rad kommt. In diesem Bereich geht gerade Benedikt Buchner ab. „Das war ein Typ, der hat Verantwortung übernommen.“ Buchner versucht sich nun in der Landesliga, in Geretsried. Sein Erbe verwalten Christian Wiedenhofer, Marco Wirtl, Sabir Neziri, alle 25 und jünger, aber langsam alt genug für diese Aufgaben. Wiedenhofer gehört mit 25 Jahren zum Zirkel des Vertrauens, teilt sich mit Josef Siegert junior und Maximilian Panholzer das Kapitänsamt. Sie sind gleichzeitig mitverantwortlich für Betreuung und Integration der jungen Neuen. Einen Teil hat der FCP aus Murnau losgeeist (darunter Torwart Korbinian Neumaier, Mittelfeldspieler Efe Kurtar und Stürmer Gabriel Taffertshofer), zwei rücken aus der eigenen Jugend (Abdullah Alraddawi und Marco Kurtz) nach. „Kicken können sie“, sagt Martin Wagner, nur Robustheit und Tempo „müssen sie schnell hinzubekommen“.

FC Penzberg: Weg vom Hurra-Fußball, hin zu desfensiver Stabilität

Überzeugt hat ihn schon Efe Kurtar, ein groß gewachsener Spieler, geeignet für die Rolle des Abräumers im Mittelfeld. Das Beste: Der 19-Jährige ist Penzberger, hat 2014 etwa die E-Jugend mit einem Traumtor ins Merkur-CUP-Bezirksfinale geschossen. Sein Coach hält ihn für „ein kleines Juwel“. Was Kurtar allerdings nicht ist: ein Zehner vom Format eines Hannes Huber. Aber wo gibt’s so einen schon? Wahrscheinlich hat im ganzen Oberland keiner ein feineres Füßchen. Huber, jede Saison für 20 Scorerpunkte und mehr gut, startet seine Trainerkarriere in Königsdorf – und sorgt damit beim FCP für einen Systemwechsel. „Wir werden nicht mehr den Hurra-Fußball spielen“, betont Martin Wagner. „Es gibt kein Gesetz, dass der FC Penzberg nach vorne spielen muss.“ Stattdessen setzt er auf eine starke Verteidigung, auf das Kollektiv und auf die Qualitäten der Außenspieler. Bei der Europameisterschaft sehe man, was eine stabile Defensive ausmacht. „Das müssen wir hinbekommen“ – auch wenn es nicht mehr „Penzberg like“ ist, wie es Wagner ausdrückt.

Wem es um Tore und Technik geht, der schaut ohnehin besser beim Futsal vorbei. Die Penzberger treten ab Herbst in der Bundesliga an. Zwangsläufig werden sich Spieltage mit der Freiluftsaison kreuzen. „Man kann nicht auf allen Hochzeiten tanzen“, sagt Martin Wagner. Er habe mit den Betroffenen – Maximilian Kalus, Marco Hiry und Fazlican Verep – schon gesprochen. Sie versicherten, dass sie zeitlich beides hinbekommen. In der Not werde man sich gegenseitig aushelfen, sagt der Trainer. „Ich glaube schon, dass wir das wuppen.“ Zunächst konzentriert sich ohnehin jeder auf den Ligastart am 31. Juli gegen Raisting. Einen besseren Beginn gebe es gar nicht für eine Team mit lauter Penzbergern. Martin Wagner ist überzeugt, dass „die Jungs gleich für Furore sorgen“. (Andreas Mayr)

 

By |2021-07-15T09:03:46+02:00Juli 15th, 2021|Senioren|0 Comments

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